I Pity The Fool: Brent Coughenour zu Gast


  Freitag, 13.Feb.09
  Veranstaltungsraum
  13. Februar 2009, 21:00 Uhr

Filmvorführung: Brent Coughenour zu Gast: Super-8 in Spielfilmlänge «I Pity The Fool» 83min, Super8/dig, video, 2007

«I Pity the Fool is essential viewing to anyone interested in, among other things, urban space, post-industrial landscapes, psycho-geography, found objects, DIY filmmaking, super 8, experimental narrative, and radical film form.» (Luke Sieczek, Northwest Film Forum)
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 Brent Coughenour

 Brent Coughenour und Fred Truniger (r.)

 



 Brent Coughenour

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  Als die Entscheidung getroffen wurde, dass die Super Bowl 2006 in Detroit ausgetragen wird, begannen die Oberen der heruntergekommenen Industriestadt im Norden der USA weitläufige und lange leerstehende Bauruinen abzureissen. Die Anstrengung, um dem zu erwartenden riesigen Medieninteresse mit einem möglichst positiven Bild der Stadt zu begegnen, beschleunigte den langsamen Prozess des Verfalls, der Detroit nach dem Kollaps der Automobilindustrie ergriffen hatte und machte eine andere Seite seines Niedergangs sichtbar: je weitgreifender die Stadt demontiert wurde, desto öfter tauchten Hinweise auf ihre Vergangenheit wieder an der Oberfläche auf.

I Pity the Fool erzählt von diesen Überbleibseln, die den Abfällen einer ganzen Stadt wie von einem unsichtbaren Sieb entrissen wurden eine Archäologie unbeantworteter Fragen. Gesammelt und durch die Erzählung über einen jungen Mann auf der Suche nach seiner Zukunft strukturiert, formen diese Reste einer ehemals prosperienden Stadt eine Ersatzerzählung: Nicht direkt die Stadt, nicht direkt die Geschichte des straffälligen jungen Mannes und auch nicht die Geschichte der Korrekturversuche, die an ihm abprallen, erzählt der Film, sondern alles zusammen verbindet der Film zu einer vielschichtigen und undurchsichtigen Narration, angefüllt von Vergessenem und Verlorenem, von Motiven des Zerfalls, von Fotografien und Home-Movies. Die Fragmente eines Sommers hallen wider von Ereignissen, die dreissig Jahre vorher stattgefunden hatten. Der Tag ist sommerlich, aber es ist schwül und Wolken ziehen auf. Es wird zu regnen anfangen.

Brent Coughenours I Pity the Fool ist ein seltenes Beispiel für einen abendfüllenden Experimentalfilm, der komplett auf Super-8 gedreht wurde. Form und Inhalt entsprechen sich in rarem Zusammenspiel: Das grobkörnige und oft mit weicher Unschärfe gedrehte Bild pulsiert wie ein von Empathie mit den darniederliegenden architektonischen Kolossen beschleunigter Herzschlag. Seine Fragilität spiegelt den schmalen Grat wider, auf welchem Detroit und viele seiner BewohnerInnen wandern. (Fred Truniger)
 
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