Percussion Art Ensemble Bern


  Donnerstag, 12.Nov.09
  12. November 2009, 20.30 Uhr

Konzert Percussion Art Ensemble Bern: KONTRASTE

Ferdinand Heiniger, Oliver Schär, Daniel Scheidegger, Adrian Schild

Jacqueline Fontyn (*1930): Tree of Life (2004)

Werner Heider (*1930): Gong-Game für 12 Gongs und 4 Spieler (1990)

Urs Peter Schneider (*1939): Das leichte End in Bern (2006)

Charles Uzor (*1961): Qui plus aime... Quintett für Schlagzeug & Tonband (2006)

«Was, wenn das richtige falsch wäre und das falsche richtig.» (Charles Uzor, St. Gallen)

Mit dem Percussion Art Ensemble Bern existiert in der Schweizer Hauptstadt seit 1994 ein professionelles Schlagzeugensemble. Gründer Daniel Scheidegger und die weiteren Mitglieder Ferdinand Heiniger, Oliver Schär und Adrian Schild sind bestrebt, regelmässig innovative Projekte von höchster Qualität zu realisieren. 1996 zum ersten Mal aufgetreten, kann das Ensemble auf über zehn Jahre erfolgreiche Konzerttätigkeit zurück blicken. Im Zentrum des Repertoires steht die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Das Vergeben von Aufträgen an Schweizer Komponisten ist dem Percussion Art Ensemble Bern ein grosses Anliegen, ebenso die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Die Mitglieder des Percussion Art Ensemble Bern wurden an der Hochschule für Musik in Bern ausgebildet. Sie geben an verschiedenen Musikschulen in und um Bern Unterricht, spielen als Zuzüger im Berner Symphonieorchester und engagieren sich in der Berner Kulturszene.
  Konzert Donnerstag, 12.Nov.09, 20.30
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  Das Programm „Kontraste" lädt ein zum genauen Hinhören, zur Suche nach Verbindendem und Trennendem. Ursprünglich durch eine Anfrage der Komponistin Jacqueline Fontyn entstanden, woraus sich auf Anhieb eine enge Zusammenarbeit ergeben hat. Auch die beiden Schweizer Komponisten Charles Uzor (St. Gallen) und Urs Peter Schneider (Biel), sind mit dem Percussion Art Ensemble Bern über zehn Jahre eng verbunden. Diese Verbundenheit führte seit der Gründung des Ensembles 1996 zu mehreren gemeinsamen Projekten.

Selbst in den schärfsten Kontrasten liegen Gemeinsamkeiten. Einerseits erklingen zwei Werke, welche in klanglicher und sinnlicher Vielfalt komponiert sind. Dem gegenübergestellt sind zwei Kompositionen, welche mit einer kleinen Anzahl Instrumente derselben Klangfamilie auskommen. Beide Programmteile stehen sich differierend gegenüber. Dieser vordergründige Kontrast löst sich bei genauem Hinhören zumindest teilweise auf und Gemeinsamkeiten treten hervor. Anderseits lassen sich bei den vermeintlich ähnlich angelegten Werken grosse Unterschiede ausmachen.
Die Reichhaltigkeit des Schlaginstrumentariums ist faszinierend. Trommeln, Pauken und Stabspiele, scheppernde Büchsen und donnernde Blechplatten, unzählige Instrumente aus verschiedenen Kulturen. Spielen mehrere Schlagzeugspielende auf mehreren Instrumenten, entstehen vielfältige Klangwelten. Dazu ergeben schnelle Wechsel von Schlegeln, Instrumenten und Positionen ein eindrückliches visuelles Geschehen.

Programm:

Tree of Life (2004)
Jacqueline Fontyn (*1930):

Ironie übersteigt die vermeintliche Wirklichkeit, denn sie taucht eingeritzte Gewohnheit in neues Licht.

Das Werk beruht auf der grundsätzlichen kompositorischen Vorstellung, musikalische Elemente und Klangkörper kontrastreich zu gestalten. Eine Verbindung von vielschichtig linearem Denken und hoch verfeinertem Farbensinn. Die modulierten Tonstoffe werden überblendet und führen zu überraschenden Schattierungen. Das Werk ist in fünf Sätze gegliedert: Der erste Satz besticht durch seinen Klangteppich, fliessend und zerwoben in seinen Bewegungen, gefolgt vom verspielten perkussiven Incisivo. In der Mitte des Werks kehrt eine geheimnisvolle Atmosphäre ein, welche durch hektische und nervöse Bewegungen im vierten Satz resolut aufgebrochen wird. Am Schluss entsteht eine Art Verschmelzung des zuvor gehörtem.

Gong-Game für 12 Gongs und 4 Spieler (1990)
Werner Heider (*1930)
Game with Gongs: A Gong-Game

Da hängen im Schlagzeugraum des Nürnberger Konservatoriums diese 12 wunderschönen Gongs, nur gelegentlich einzeln benutzt, und warten darauf, endlich einmal alle zusammen in ihrer klanglichen Pracht «losgelassen» zu werden. Ich nutzte diese einmalige Gelegenheit, konzentrierte mich im Sommer 1990 (in Italien – am Meer) auf ein GONG-GAME, bei dem Anfang und Ende im kanonischen Auf-und Abtritt stattfinden sollen; sowohl homophone Akkordik als auch polyphone Kontrapunktik will ich in diesem Klang-Spiel erreichen, durchwirkt von frei gestaltenden Spiel-Wegen, immer die strenge Form der Spiel-Regeln im Griff, also ein Spiel mit Tönen, den Klängen dieser Gongs: ein GONG-GAME.

Das leichte End in Bern (2006)
Urs Peter Schneider (*1939)

«Es handelte sich um wohlabgemessene Schläge... Darin bestand ja das Geisterhafte...» (Robert Walser)

Seit 1987 hat Urs Peter Schneider an drei Trilogien über Texte von Robert Walser gearbeitet und diese neun Werke, darunter zwei orchestrale, mit dem Schlagzeugstück abgeschlossen. Wie die meisten seiner Kompositionen ist auch dieses einer nichthysterischen, nichtdramatischen, nichtexpressionistischen Klanglichkeit verpflichtet, die den Zuhörenden frei über das zu Hörende verfügen lässt. Dennoch ist ein sehr sachter Prozess komponiert, der einem vorzeitigen Ende entgegenläuft, wie es Walser ja vorgelebt hat. An einigen Stellen des siebenundzwanzigteiligen Verlaufs bricht Irrationales ein, um bald wieder zu verschwinden.

Qui plus aime... Quintett für Schlagzeug & Tonband (2006)
Charles Uzor (*1961)

In «Qui plus aime...» werden live gespielte, perkussive Klänge verschiedener Metallinstrumente mit einer Tonbandspur gestrichener Marimbatöne konfrontiert. Die engelhaft wiederkehrende Machaut-Motette «Qui plus aime...» wird in Schlaufen sechsteltönig verstimmt. Wird eine Verstimmung oder Umstimmung lange genug durchgehalten, wirkt sie normal. Die Skordatur der Tonbandspur klingt dann richtig, die live gespielten Klänge – also das «Richtige» – hingegen falsch. Hören ist Hinhören und gleichzeitig Weghören, Unterscheiden und Weglassen, eine Frage der Perspektive sowie das Bedürfnis nach Ganzheit. Der gleichmässige Klangfluss der Tempelglocken und Klangschalen verbindet die zwei Klangwelten und schafft die ersehnte Stille. «Qui plus aime...» ist eine Parodie auf eine Welt, in der jeder Ton seinen Platz in einer Ordnung hat oder der Versuch, Bewegung so weit zu beschleunigen bis sie stillsteht.
 
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