Beyond Black & White


  Freitag, 05.Nov.10 - Samstag, 06.Nov.10
  Ausstellungsraum
  05. November 2010, 20.30 Uhr
06. November 2010, 20.30 Uhr

Konzert: ensemble für neue musik zürich «Beyond Black & White»
ein audiovisuelles Konzert nach Robert Lax

Hans-Peter Frehner, Musik
Eliane Binggeli, Videoinstallation
Sebastian Hofmann, Elektronik/Turntables

Anna Trauffer, Kontrabass/Stimme
Philipp Schaufelberger, EGitarre
Raphael Camenisch, Saxophon
Hans-Peter Frehner, Flöte
Manfred Spitaler, Klarinette
Viktor Müller, Klavier
Lorenz Haas, Schlagzeug
Urs Bumbacher, Violine
Nicola Romanò, Violoncello
  Konzert Freitag, 05.Nov.10, 20.30
  Konzert Samstag, 06.Nov.10, 20.30
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  Der amerikanische Schriftsteller Robert Lax (1915 – 2000), der als weltoffener Eremit Jahrzehnte auf Patmos verbracht hat, galt bis zu seinen unvergesslichen Auftritten zuerst im Autorenfilm «MIDDLE OF THE MOMENT» und dann in den weltweit in Kunstinstitutionen gezeigten Video-Installation «THREE WINDOWS» von Nicolas Humbert und Werner Penzel als grosser Geheimtipp.

Heute, zehn Jahre nach seinem Tod, ist Robert Lax nicht mehr der grosse Unbekannte der amerikanischen Literatur, sondern erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit bei sinnsuchenden und an kulturellen Experimenten interessierten Menschen. Beides hat zu tun mit den Grundcharakteristika von Robert Lax’ Werk: Da sind die repetitiven Muster, die eine suggestive Melodik erzeugen, die etwas Beschwörendes haben kann. Der taktmässig-rhythmische Bau von Lax' Poesie erinnert sowohl an die hypnotische Verwendung von Sprache bei Hemingway und Eliot wie an den Gebrauch liturgischer Formeln. Seine durch Pausen und Wiederholungen rhythmisierte perkussorische Poesie ist ein literarischer Vorläufer dessen, was in den achtziger Jahren als «minimal music» einen grossen Bekanntheitsgrad erlangt hat.

In einigen Werken von Lax ist die schier endlos scheinende rhythmische Wiederholung eines äusserst limitierten Vokabulars in minimalen, subtilen Varianten oberstes Gestaltungsprinzip geworden. Scheinbar jenseits von semantischer Tiefe und kommunikativer Funktion wird Sprache laut - zum Lautgedicht: so auch in BLACK & WHITE, einer Konstellation in 21 Teilen, die mit den beiden Bezeichnungen für die Nicht-Farben «black» und «white», dem Wort «stone» und dem Konjunktionskürzel «&» auskommt. Solch «letzte Gedichte» erinnern in ihrer repetitiven Simplizität nicht nur an das Werk von Gertrude Stein, sondern auch an die monochromen «ultimate paintings» von Lax’ Freund Ad Reinhardt und der «abstrakten Expressionisten» Barnett Newman und Mark Rothko, die Inhalt und Bedeutung aus ihrem Werk eliminierten, aber durch Farbe, Linie oder Form rätselhaft abstrakte Bilder schufen, die bei den Zuschauern durch eindrücklich schlagende Schlichtheit komplexe Reaktionen evozieren. So eröffnen Lax’ auf ein karges Minimum beschränkte Gedichte in ihrer zunehmenden Reduktion ihr zugleich zunehmendes semantisches und semiotisches Potenzial.

Hanspeter Frehner (Komposition) und Eliane Binggeli (Bild) sind besonders fasziniert von Lax visueller Konstellation BLACK & WHITE und von Lax’ eigenem Vortrag seines «minimal poem», weil ihnen darin die gegenwärtige Conditio Humana aufscheint, geprägt durch eine sich zuspitzende Diskrepanz zwischen Überfülle und Mangel. Darin gründet die Vorliebe der beiden Künstler für den Text BLACK & WHITE von Robert Lax.

Durch einen von Beginn weg intensiven Austausch von Ton- und Bild-Ideen verarbeiten Hanspeter Frehner und Eliane Binggeli das Minimal-Gedicht aus den 70er Jahren zu einer reduktionistischen, audiovisuellen Musikinstallation. Als Ausgangsmaterial stand die unpublizierte Tonaufnahme einer Lesung mit Robert Lax zur Verfügung, aufgenommen von Gerhard van den Bergh (Aufnahmedatum: 7.11.1993 in Zürich).

Weglassung, Absorption, Dynamisierung und Wahrnehmungsüber- oder Unterforderung sind dabei von besonderem Interesse. Unter anderem intendiert sind visuelle Leerstellen, die Irritation auslösen oder auditive Lücken, die zum Hören von Obertönen und Nebengeräuschen verleiten. Minimiertes wird gelegentlich mit Übermass und Überreizung durchsetzt.

In der Komposition bestimmt die Typographie des Gedichtes zu einem grossen Teil die musikalische Form. Die Tonaufnahme der Lesung generiert eine Rhythmusstruktur und liefert Klänge zur elektronischen Verarbeitung (Sebastian Hofmann/Live-Elektronik). Durch das Verfahren einerseits der Auflösung und andererseits des Ersetzens und Ergänzens des Audiomaterials entsteht eine textlose Fassung, die zu «beyond black&white» führt.

(Gerhard van den Bergh/Eliane Binggeli)
 
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