Dienstag 19.01.2021   20:00 - 22:30

Cantando Admont: no voice other than this pen….

Gesprächskonzert – concert & talk 

 

Cantando Admont

Akiko Ito, Sopran

Helena Sorokina, Alt

Bernd Lambauer, Tenor

Ulfried Staber, Bass

Johannes Haase, Violine

Marco Sala, Klarinette

Maria Mogas Gensana, Akkordeon

Katharina Rosenberger, Komposition

Alexander Kaiser, Komposition

Hannes Kerschbaumer, Komposition

Cordula Bürgi, musikalische Leitung

 

Drei zeitgenössische Komponist*innen arrangieren eine bereits bestehende Mahler Komposition aus „Des Knaben Wunderhorn“ für die Besetzung von 4 Stimmen (SATB), Violine, Klarinette und Akkordeon. Diese Bearbeitung des Originals wird zugleich als Referenzstück für eine Neukomposition verwendet.
Ausgewählt wurden die Schweizer Komponistin Katharina Rosenberger (*1971) und die zwei aus Südtirol stammenden Komponisten Hannes Kerschbaumer (*1981) und Alexander Kaiser (*1985).

Alle drei Komponist*innen werden vor Ort sein, um sich und ihre Werke vorzustellen. Das Publikum ist herzlich dazu eingeladen, sich aktiv am Gespräch zu beteiligen.

 

Programm

 Katharina Rosenberger (*1971)Aufzeichnungen eines Stimmlosen UA

(no voice other than this pen...) 

Für Vokalquartett, Bassklarinette, Akkordeon und Geige

 

Alexander Kaiser (*1985)Der Tamboursg’sell

Musik: Gustav Mahler

Text: aus des Knaben Wunderhorn 

Instrumentation: Alexander Kaiser

 

The countryside is in convulsion UA

für 4 Stimmen, Objekte, Kontrabassklarinette,

Akkordeon, Violine & Elektronik

 

Hannes Kerschbaumer (*1981) Das irdische Leben 

Musik: Gustav Mahler

Text: aus des Knaben Wunderhorn 

Instrumentation: Alexander Kaiser

 

hyperdermic driftUA 

für 4 Stimmen, drei Instrumente & Elektronik

 

 

Eintritt: 

25.- / 15.- ermässigt (Studenten, Kulturlegi / AHV)

Erläuterungen zu den drei Uraufführungen: 

Katharina Rosenberger (*1971) 

Aufzeichnungen eines Stimmlosen (no voice other than this pen...) für Vokalquartett, Klarinette, Akkordeon und Violine bezieht sich auf Mahlers “Des Knaben Wunderhorn”, “Lied des Verfolgten im Turm” sowie auf die aktuelle und konfliktreiche Umstände von Verfolgung und Freiheitsentzug von Menschen ohne richterliche Haftprüfung. Hier beleuchte ich besonders die von der amerikanischen Regierung ausgehende rechtswidrige Internierung von hunderten von Menschen, welche in dem in 2002 errichtete außerordentlichen Gefängniß Guantánamo festsitzen. Die Komposition wird einen gesprächsartigen Charakter aufweisen, in dem die Sänger*innen auf das Thema „Gefangenschaft“, „Menschenrecht“ sowie auf die Briefe des jungen jemenitischen Mohammed al-Hamiri eingehen. Dabei wird verdeutlicht, dass den eingesperrten Terrorverdächtigen jegliche Rechte entzogen und 

viele ohne offizielle Anklage festgehalten wurden. Unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten, verloren die Gefangenen nicht nur ihre Freiheit, sondern auch ihre Stimmen. Umso bedeutsamer sind Al-Hamiris Notizen und Briefe an seine Mutter. Darin lässt er seine Hoffnung nicht erdrücken, die Gedanken sind frei und sprechen von einer unglaublichen Stärke und Glauben auf ein Leben in Frieden und Glück. Diese befreienden Augenblicke lösen in der von stark rhythmisierten und geräuschhaften Texturen gezeichnete Komposition stimmhafte und schwebende Vokalpassagen aus. Al-Hamiri wurde 2015 nach 13 Jahren Gefangenschaft freigesprochen. 

 

Hannes Kerschbaumer (*1981) 

Die Neukomposition hyperdermic drift ist Studie über das Gleiten. Wenn die Ähren arhythmisch über die Haut streichen und unmittelbar die Wahrnehmung von Oberflächenstrukturen aktivieren. Rauheitsgrade der Stimmen und Instrumente, die nahezu anhaltslos im Raum auseinanderdriften und dadurch unerahnte Zwischenräume freilegen. Das wiederholte innige Flehen des Kindes in Mahlers "Das irdische Leben", hallt innerlich nach, gedehnt zu einem endlosen Flehen, als wäre die Zeit erstarrt. 

 

Alexander Kaiser (*1985) 

In der Komposition The countryside is in convulsion arbeiten sich verschiedenste Klänge aus der Tiefe empor. Fließen ineinander, schwellen an, um immer wieder aufs Neue auseinander zu brechen. Ein stetiges Spiel zwischen elektronischer Zuspielung und dem Ensemble. Aus einem Pool verschiedener einzelner elementarer Grundideen heraus wächst die Musik langsam heran. Das ganze Stück hindurch werden diese klar strukturiert geglaubten Linien gestört, verzerrt, manipuliert. Kurzum, das ganze System wird in Frage gestellt, ohne eine Antwort parat zu haben.