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Mittwoch 12.10.2022   21:00

Coleman Goepfert // derivatives + online_remixes //

Coleman Goepfert, // derivatives + online_remixes //

 

Solo & Duo:

Coleman Goepfert: guitar, pedals

 

Duo Partner:

Pablo Lienhard: no-input mixer

Vincent Glanzmann: drums, mics and stuff

 

 

Die LP derivatives taucht in eine umfangreiche Sammlung elektronischer und experimenteller Musik ein, die von anderen Künstlern geschaffen und in das künstlerische Bewusstsein des Gitarristen Coleman Goepfert aufgenommen wurde. Die nachhallenden Überreste dieser Werke – durch Erinnerung und Vorstellungskraft verfremdete Skizzen – bilden die namengebenden Derivate, die ihrerseits durch kontinuierliche Verfahren der Verfremdung, Umwandlung und Verdichtung weiter verformt werden. Als Primärquellen für diese klangliche Destillation dienten unter anderem die Werke von Merzbow, Julien Desprez & Luís Lopes, Nate Wooley, Tatsuya Nakatani, Alexander Schubert und Stefan Prins.

Die hier vorgestellten Originalkompositionen sind gedrängt, beharrlich und unnachgiebig – sie spiegeln den inneren Zustand des Künstlers während des Aufnahmezeitraums wider. Der komplexe Klangteppich dieser Stücke entsteht aus den ineinander verwobenen Strängen von physischem Gitarrenspiel und elektronischer Manipulation. Sie schwelgen in Verfremdungen traditioneller Gitarrentechnik, in mehrlagigen Schichten verschlungener elektronischer Manipulationen sowie in den gegenseitigen Ergänzungen virtueller und realer Welten. Die Grenzen von Realität und Irrealität verschwimmen mit zunehmender Schwungkraft.

Diese Aufnahme lädt dazu ein, sich Grenzen (neu) vorzustellen, in die flimmernde Realität und Irrealität der E-Gitarre einzutauchen und sich vor allem einfach in den kaskadenartigen Klangwellen zu verlieren! (Text: Kevin Toksöz Fairbairn)

Grosse Inspiration für die online_remixes und die daraus zu resultierende LP rewired lieferte die LP DRIFT (AKA 11 | DRIFT #01; Martin Tétreault, erikM, Dj Sniff, Arnaud Rivière – 2012):

«DRIFT-01 beinhaltet das Material eines Konzertes von 4 Turntablists, welche zusammen improvisieren. Diese Aufzeichnung wurde dann so zurechtgelegt, um daraus 4 Einzelspuren (…) aufzunehmen. Nun beinhaltet die folgende LP diese 4 Tracks oder Grooves. Beim Schneiden der Vinylplatte wurde eine spezielle Technik angewandt, um ein kontinuierliches Überkreuzen sämtlicher Spuren über die ganze Länge der jeweiligen Seite zu ermöglichen. Das Abspielen der Aufnahme produziert so einen Mix der vier, einzelnen Signalträger. Wenn der Klang von rechts oder links zu hören ist, dann nur weil die Nadel des Plattenspielers physisch am Driften ist. Klicks und Cuts sind dann hörbar, wenn die Nadel springt. Während dem Abspielen entsteht durch den Tonabnehmer stets ein neuer Groove. (…) Die Eigenschaft des Plattenspielers, die Qualität und Abnützung der Nadel, sowie die Möglichkeit verschiedener Einstellungen (Anti-Skating, Tonarmgewicht…); das sind alles Faktoren, welche sich auf die Leseart der Spuren auswirken. (…)»

Beim Projekt online_remixes stehen nun zwei statt vier Spuren im Zentrum.

Die  Duopartner heissen Vincent Glanzmann, Tizia Zimmermann, Pablo Lienhard, David Meier und Elio Amberg. Die Musiker erhalten voneinander jeweils eine Spur. Somit hat jede Partei zwei Spuren zur Verfügung. Wir orientieren uns an der Ästhetik der LP Drift.

Diese Spuren können (unabhängig voneinander) nun übereinander gelagert, geloopt, rückwärts gespielt oder sonst verfremdet und abgemischt werden. Die Musikerin/ der Musiker entscheidet, welche Spur in den Vorder- oder Hintergrund tritt oder lässt beide Spuren simultan laufen und wird somit quasi selbst zum Plattenspieler. Dabei ersetzt das musikalische Empfinden die Zufälligkeit des Turntables.

So entstehen von jedem Musiker remixes der beiden Spuren. Dieser ganze Prozess findet online statt. Die Resultate werden im Konzert präsentiert.