the workers

Konzert

Mittwoch 07.06.2023

The Workers

Urs Leimgruber, Sopranosaxophone
Omri Ziegele, Altosaxophone, Nai, Voice
Christian Weber, Bass
Alex Huber, Drums

Vier ausgewiesene, erfahrene Improvisatoren haben sich zu THE WORKERS zusammengeschlossen. Eine Verbindung, die musikalisches Risiko und Draufgängertum mit dramaturgischem Übersichtsvermögen und geschicktem Aufbauspiel verbindet. Alle haben in irgendeiner Form schon miteinander gespielt – in verschiedensten Kombinationen und festen Formationen. Jeder bringt eine unvergleichliche eigene Sprache mit und einen Willen zum Gemeinsamen, die das Kollektivspiel zum Ereignis machen. Alles erscheint wie von unsichtbarer Hand gelenkt, das Überraschende ist das Logische und die Improvisationen sind so zielsicher, als wäre nicht überall am Wegrand Zunder und Zäusel. Sie bewegen sich mühelos in vielen stilistischen Gewässern und es gibt keine Art, die nicht Platz fände – auf alten Gäulen neues Vokabular erfindend: da gibt es vertrackte, abstrakte Gewebe, feinziselierte, zerbrechliche ‚Lieder’, da gibt es aber auch Hardcore & RocknRoll, Erdiges und Teufelsohr; vor allem wenn der eine Saxophonist zur Abwechslung zur Stimme greift und seine Spoken Word Statements atemlos in die Runde wirft. Nicht um postmodernes Nebeneinandergerede geht es dieser Band: noch das Gegensätzlichste ist in dem gemeinsamen Dialekt aufgehoben, das eine das andere auf neue Weise an- und ausleuchtend.

Die Reife der Jahre lassen den Sturm und Drang nicht vergessen: THE WORKERS sind jung und alt, zart und aufbrausend, meditativ und vorwärtsdrängend, aufgeräumt und losgetreten! Eine Formation, die in ihrer Kompaktheit glänzt und sich nicht scheut, klangliche Universen zu betreten, die einem das Fürchten lehren könnten!

So hat es begonnen. Alles. So. Wir waren nicht darauf vorbereitet. Der Himmel weiss, warum es dann so begonnen hat. So. Wir alle waren schon an manchen Orten, haben schon viel gesehen und noch mehr gehört. Und dann das. Konnte sich keiner erklären. Und doch. Beginnen ist immer zärtlich, zart, jeder Anfang ein kleines Tor in die Unendlichkeit: Möglichkeiten ins Fantastische geweitet. Das Wissen, dass alles zerbrechlich ist, hielt uns zusammen. Und dass nichts zweimal geschieht. Weswegen man beim ersten Mal auf der Hut ist, so als könnte in jeder Sekunde, das ganze Porzellan zerbrechen, das unsere Mütter uns bescherten, damals, lang ists her. Wir hatten alle lange geübt im Stillen; in der Stille. Mehr die Pausen befragt als in pfeilschnellen Kaskaden gebadet; Virtuosität, wussten wir, ist für Anfänger. Hatten Klänge auf ihre Wirkung abgeklopft, wie ein Steinhauer seine Figur beklopft, bis jede Kante, jeder Winkel genauestens stimmt. Genauestens. Hatten Nachtgesängen gelauscht, tonlosen, schwärmerischen, oder den fernen Grillen, den sagenumwobenen. Wollten alles hineinnehmen in unser Sprechen, in unser Posaunen in anderen Zungen. Alles. Natürlich sind wir gescheitert. Wäre ja gelacht. Götter halten einen immer auf  Abstand. Auch noch die Kecksten. Aber den Zipfel erhaschen, den Zipfel der schwerelosen Wolke, die über der Erde schwebt und uns so selten empfängt. Da oben, wir vier. Wir konnten es nicht glauben. Doch es war so. Am Zipfel hängend, Gesichter sonnengewaschen, Herz erweicht von der plötzlichen, nahezu verschwörerischen Zusammenkunft. Wer kennt das Losungswort? Als hätten die Götter nur darauf gewartet, dass einer kräftig über die Schnur haut; über die Schnur der Eitelkeit und des besseren Wissens, das immer im Ende endet. Lange genug mussten sie warten. Wir waren am Anfang. Sind es. Wir vier. Workers. Arbeiten bis wir umfallen. Vor Erschöpfung. Vor Glück. Unverloren plötzlich: die Zeit! Lasst uns nochmals beginnen. Immer. Immer. – Beginnen! (Omri Ziegele // September 2017)