umnsjip neophyten

Konzert

Mittwoch 29.10.2025   20:00 - 22:00

UMS 'n JIP - Neophyten

18:30: 4 Kids (Einführung für Kinder)


UMS 'n JIP
Ulrike Mayer-Spohn, Blockflöten/Elektronik
Javier Hagen, Stimme/Elektronik
  
neophyten, 2023/25
Liederzyklus von UMS’nJIP nach dem gleichnamigen Gedichtzyklus von Rolf Hermann aus dem Gedichtband „In der Nahaufnahme verwildern wir“ (2021)
Uraufführung der Version für Stimme, Blockflöten und Elektronik

 
Eintritt: frei / Kollekte

"Am Ende bleibt die Natur und das, was wir vielleicht als die Ekstase der Wörter bezeichnen können – die Dichtung.“ (Rolf Hermann)
Rolf Hermanns neophyten ist ein 24teiliger Gedichtzyklus aus dem Gedichtband „In der Nahaufnahme verwildern wir“ (2021). Für Hermann sind Neophyten "eine Erscheinung der globalisierten Welt und der Klimaveränderung in einem. Pflanzen werden – absichtlich oder versehentlich – auf Tankern oder Lastwagen von einem Kontinent zum anderen, von einem Land zum anderen transportiert. Und weil sich das Klima erwärmt, wandern sie oft weiter, von Süden in Richtung Norden, und verändern so die jeweilige Vegetation. In gewisser Weise sind die Neophyten für mich also Chiffren für das Anthropozän, für ein vom Menschen verursachtes biologisches Phänomen, das sich weitgehend verselbstständigt hat.“ Wild wuchernd, geradezu vegetativ berauschend springt uns Rolf Hermanns Zyklus neophyten an. Einerseits ist das Textmaterial, von welchem Hermann ausgeht — Rilkes Rosen — durch verstörend unlyrische Verfahren eingedampft und durch strenge formale Spielregeln gebunden, gleichzeitig rankt sich die Sprache der Gedichte ungestört um diese Gitter, wuchert diese zu und breitet sich schier ungebremst in merkwürdige metaphorische Gefilde aus. Darauf antworten wir mit archaischen Instrumenten: Stimme und Blockflöte, ferner — als bewusstem Gegenpol — mit Elektronik, und zu guter Letzt mit einem zwischen Komposition und Improvisation angesiedelten Verfahren: Die Gedichte werden analysiert — auf ihren Klang und Rhythmus, auf intertextuelle Bezüge, auf ihre Hybris zwischen biologischem Beschrieb und dichterischer Anverwandlung. Heraus kommt eine zeitlich verbindlich strukturierte dramaturgische Grossform, in welcher sich die gesprochene Sprache sinnlich, situativ und ausgesprochen sensibel/fragil aus instrumentalen Klangfeldern heraus, aus einer Ursuppe sozusagen, Schicht um Schicht schält, um sich in einen virtuellen — klanglich gesprochen: in einen voraufgenommenen Raum — einem bedruckten Blatt gleich, zu begeben. So wie Rolf Hermanns Wunsch: „die Sinnlichkeit und die Verletzlichkeit der Welt in Worten erfahrbar zu machen“ gesellt sich zu ihm der unsrige, dieselbe Sinnlichkeit und Verletzlichkeit nun auch in Klängen erfahrbar zu machen.